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Eternit-Dach und Asbest – was Münchner Hausbesitzer vor der Sanierung klären sollten

Eternit ist nur der Markenname – dahinter steckt Faserzement, der bis 1993 in nahezu jedem Produkt Asbest enthielt. Wer in München ein Haus mit Eternit-Dach besitzt und Sanierung oder Abriss plant, sollte vorher wissen, worauf er sich einlässt – und worauf nicht.

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Was ist Eternit – und warum steckt so oft Asbest darin?

Eternit ist der Handelsname eines Faserzements aus Zement, Wasser und Verstärkungsfasern. Bis zum Verbot 1993 waren diese Fasern fast immer Asbest. Solche Dächer halten 50, 60, mitunter 70 Jahre – und sitzen deshalb bis heute auf unzähligen Wohnhäusern, Garagen und Nebengebäuden. Erst nach 1993 ersetzte man den Asbest durch Glas-, Cellulose- oder Polyvinylalkoholfasern. Der Haken: Beide Generationen sehen praktisch gleich aus.

Welche Eternit-Produkte Asbest enthalten können

Wellasbestplatten

Das klassische gewellte Garagendach. In Münchner Siedlungen der 1950er bis 1980er nahezu flächendeckend verbaut, meist mit 10–15 % Chrysotil.

Flache Faserzement-Dachplatten

Kleinformatige, schieferähnliche Platten für Schrägdächer – typisch für Wohnhäuser der 1950er und 1960er.

Faserzement-Fassadenplatten

Eternit kam auch als Fassadenverkleidung zum Einsatz: witterungsbeständig, pflegeleicht – und oft asbesthaltig.

Dachrinnen und Rohre aus Faserzement

Auch Entwässerungsteile wurden aus Faserzement gefertigt und können belastet sein.

Dachfirste und Kehlen

Die Verbindungsstücke zwischen den Dachflächen stammen häufig aus demselben Material.

Der entscheidende Unterschied: verwittert oder intakt

Fest gebunden

Intakte Eternit-Platten

Fest gebunden: Die Fasern sitzen tief in der Zementmatrix und treten im Normalbetrieb nicht aus. Ein intaktes Dach, an dem nicht mechanisch gearbeitet wird, ist in der Praxis keine unmittelbare Gesundheitsgefahr.

Schwach gebunden

Verwitterte Eternit-Platten

Über die Jahre trägt sich die Zementoberfläche ab – sichtbar an Moos, Algen, Verfärbungen und rauer Struktur. Ist die Verwitterung fortgeschritten, können Fasern freigesetzt werden. Dann spricht man von schwach gebundenem Asbest – und der gehört zwingend in Profihände.

Wirkt das Dach von unten deutlich mitgenommen, sind die Plattenränder ausgefranst oder wächst Moos direkt ins Material hinein – dann ist der Handlungsbedarf real.

Wann besteht wirklich Handlungsbedarf?

  • Das Dach ist sichtbar verwittert und die Oberfläche nicht mehr geschlossen
  • Reparaturen am Dach stehen an – Bohren, Sägen oder Schrauben ist tabu
  • Das Gebäude soll abgerissen oder umgebaut werden
  • Das Dach soll neu eingedeckt werden
  • Der Hochdruckreiniger soll ran

Der häufigste Fehler: Hochdruckreiniger und Eigendemontage

Zwei Fehler begegnen uns in München immer wieder – beide mit ernsten gesundheitlichen und rechtlichen Folgen.

Reinigung mit dem Hochdruckreiniger

Viele nehmen im Frühjahr den Hochdruckreiniger, um Moos und Algen vom Eternit-Dach zu spülen. Das Problem: Der Strahl reisst die ohnehin verwitterte Oberfläche auf und trägt Fasern in Luft und Abwasser. Bei einem asbesthaltigen Dach ist das rechtlich heikel und gesundheitlich riskant.

Eigendemontage bei Abriss oder Umbau

„Ich heb die Platten einfach ab und bring sie zum Wertstoffhof“ – dieser Gedanke ist weit verbreitet und gefährlich falsch. Wellasbestplatten sind Sondermüll. Ihre Entsorgung in Eigenregie ist ohne Zertifizierung nicht erlaubt und kann empfindliche Bußgelder nach sich ziehen.

München-spezifisch: wo Eternit-Dächer besonders häufig sind

In München ballen sich asbesthaltige Eternit-Dächer in den Siedlungsgebieten der Nachkriegszeit sowie der 1960er und 1970er Jahre.

Garagendächer im Münchner Westen

Pasing und die angrenzenden Viertel sind geprägt von Einfamilienhäusern mit Nebengebäuden aus der Asbestära. Überdurchschnittlich viele Anfragen betreffen Garagendächer aus Wellasbest.

Mehr: Asbestsanierung Pasing

Nebengebäude in den Großsiedlungen

Rund um Neuperlach entstanden in den 1960ern und 1970ern ganze Quartiere – inklusive Garagenhöfe und Nebengebäude, die oft mit Wellasbestplatten gedeckt wurden und seither kaum berührt sind.

Mehr: Asbestsanierung Neuperlach

Wohnhäuser in gewachsenen Vierteln

Auch in dicht bebauten Vierteln wie Giesing tragen viele Häuser aus den 1950ern und 1960ern noch Eternit an Gauben, Anbauten und Garagen.

Mehr: Asbestsanierung Giesing

Ablauf einer fachgerechten Eternit-Dachsanierung

1

Behördliche Anzeige

Ab einer bestimmten Größenordnung sind Asbestarbeiten vorab bei der zuständigen Gewerbeaufsicht (Regierung von Oberbayern) anzuzeigen. Diese Anzeige übernimmt in der Regel der Fachbetrieb.

2

Fachgerechte Demontage

Die Platten werden möglichst vollständig und unzerbrochen abgenommen, um die Faserfreisetzung gering zu halten. Bruchstücke werden sofort gesichert.

3

Verpackung und Transport

Vor Ort wird mit Folie gesichert und in zugelassene Big-Bags oder Container verpackt. Den Transport zur zugelassenen Deponie übernimmt der Fachbetrieb.

4

Entsorgungsnachweis

Zum Abschluss gibt es einen Entsorgungsnachweis – wichtig für behördliche Rückfragen und spätere Kaufverhandlungen.

Kosten im Überblick

Die Kosten richten sich nach Fläche, Zugänglichkeit, Gerüstbedarf und Deponiegebühren. Als Orientierung für München:

Garagendach 20–30 m²800 – 2.000 €
Nebengebäude 50–80 m²2.500 – 5.000 €
Wohnhausdach 150+ m²8.000 – 20.000 €+

Enthalten sind Demontage, Verpackung, Transport und Deponiegebühren – eine eventuelle Neueindeckung noch nicht. Mehr zu den Kostenfaktoren auf unserer Seite Kosten & Entsorgung.

Häufige Fragen zu Eternit-Dach und Asbest

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